18 Apr 2017

Internationales Berufsausbildungs-Zentrum fuer Bad Münder und Weserbergland

Submitted by Hermann

Internationales Berufsausbildungs-Zentrum fuer Bad Muender und Weserbergland

Vorschlag zur Entwicklung des Deister-Suenteltals und das Weserbergland

Offener Brief

an zivilgesellschaftliche und politische Adressaten in den Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden

 

Foto: Fruehling in Bad Muender, Marktstrasse (April 2017), Autor: HG

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Bad Muender/D., d. 18.4.2017

Abs.: Hermann Gebauer, Dipl.-Volkswirt                                                                                                              

Entwicklungsberater

Bad Münder am Deister

Website: „hermann-gebauer.de“

Mail: her_gebauer@yahoo.de

 

An:

Zivilgesellschaftliche und politische Adressaten in den Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden

 

Betr.: Regionale Entwicklung der größeren Zentren im Weserbergland, wie Bad Münder, Hess. Oldendorf, Bodenwerder und andere mehr durch Errichtung eines dezentralen Internationalen Beruflichen Ausbildungs- und Integrations-Modellprojektes: Interkulturelles Berufliches Ausbildungszentrum für deutsche Jugendliche aus sozial gefährdeten Familien gemeinsam mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern sowie mit jungen Flüchtlingen (15 bis 25 Jahre)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Münderscher Bürger, der nach 40 Jahren Auslandstätigkeit in seine alte Heimatregion Weserbergland zurückgekommen ist, ist es mir im Rahmen einer nachhaltigen Regionalentwicklung des Weserberglandes ein außerordentliches Anliegen, etwas für das Deister-Sünteltal sowie für das Weserbergland insgesamt bezüglich beruflicher Dual-Ausbildung und Integration von deutschen Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien, für junge Europäer aus Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit sowie für junge Flüchtlinge zu tun. Berufliche Ausbildung und Integration ist ein Thema, das in Deutschland seit der Ankunft der ersten türkischen Gastarbeiter unzureichend angegangen wurde. Anders sind die Parallelgesellschaften und der Aufstieg der AfD mit Zunahme von Xenophobie nicht zu erklären.

Die unzureichende Regionalentwicklung des einst wirtschaftlich diversifizierten  Weserberglandes, mit schrumpfender interner Wertschöpfung, das heute lediglich den Tourismus als Wachstumssektor aufweist, ist durch negative demographische Entwicklung, durch „brain drain“ der am besten ausgebildeten Jugendlichen und durch äußerst zähe Integration von jungen Flüchtlingen gekennzeichnet (In Universitätsstädten erlernen ausländische Studenten in sechs bis 12 Monaten die deutsche Sprache und sind am Ende ihres Studiums perfekt in der deutschen Gesellschaft integriert, während die jüngst zugezogenen Flüchtlinge selbst nach 1 ½ Jahren nicht einmal ausreichende deutsche Sprachkenntnisse aufweisen, um eine Lehre erfolgreich zu beginnen). Ich schlage deshalb neben einer Entwicklung des Weserberglandes zu einer Internationalen Hochschul- und Forschungs-Region, angesiedelt in den zentralen Städten Hameln, Pyrmont und Holzminden, eine ergänzende Internationale Berufliche Ausbildung im deutschen Dual-System vor, das besonders geeignet ist, die kleineren Zentren wie Bad Münder, Hess. Oldendorf, Bodenwerder, usw. zu stärken. Dabei sollte die EU-Berufsausbildungs-Förderung für junge Menschen genutzt werden sowie auch die Integrations-Förderung von jungen Flüchtlingen. Eine gemeinsam in Internatsform und Wohngemeinschaften betriebene Ausbildung junger Menschen aus Deutschland und dem übrigen Europa zusammen mit den jungen außereuropäischen Zugezogenen könnte nicht nur für die Regionalentwicklung des Weserberglandes einen positiven Impuls bedeuten, sondern auch den europäischen Gedanken fördern sowie insgesamt friedensstiftend wirken.

Bereits 2014 und 2016 hatte ich dem Landratsamt Hameln und später der Agentur für Arbeit in Hameln erste Projekt-Vorschläge unterbreitet (siehe Anlagen im Anhang), die jedoch behördlicherseits abgelehnt wurden. Nach meiner Rückkehr in die alte Heimat werde ich dieses Projekt weiter verfolgen, ebenso wie eine Entwicklung des Weserberglandes zu einer Wissens- und Forschungsregion. Die Entwicklung von Ballungsräumen wie Hannover muss ergänzt werden durch eine dezentrale nachhaltige und auf Diversität ausgerichtete Entwicklung der Nachbarräume wie das Weserbergland. Diese Gedanken werde ich auch aufgreifen im Kontext meiner Kandidatur als parteiloser Direktkandidat zur Bundestagswahl 2017.

Ich bin jederzeit zu einem Gedankenaustausch mit Ihnen bereit, um gemeinsam an einem derartigen Projekt zu arbeiten. Wenn die öffentliche Verwaltung aus unterschiedlichen Gründen die Entwicklung unserer schönen Heimat nur unzureichend angeht, dann ist die Zivilgesellschaft gefragt, um den nötigen Nachdruck zur Durchsetzung von Entwicklungsinteressen aller Menschen in der Region zu erzeugen.

Mit freundlichen Grüßen,

Hermann Gebauer

Anlagen:

- Pilot-Projekt Europäisches Ausbildungszentrum (2014)

- Interkulturelles Ausbildungszentrum (2016)

 

Anlage 1

 

Pilot-Projekt: “Europäische Schule zur Fachkräfteausbildung” (ESFA)

ZUSAMMENFASSUNG

Seit Einführung des Euro zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich vor allem in der Euro-Zone der EU bereits existierende strukturelle ökonomische Ungleichgewichte zwischen den Mitgliedstaaten verschärft, und das vor allem durch den Wegfall von national determinierter Währungspolitik, die vorher Wettbewerbsnachteile auszugleichen imstande war. Diese Ungleichgewichte stellten im Zuge der globalen Finanzkrise ab 2007 und dem Einsetzen der Eurokrise ab 2010 das Euro-Projekt insgesamt infrage. Nur dank der Geldpolitik der EZB konnte die Euro-Zone bisher temporär stabilisiert werden, ohne dass die grundlegenden ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme Europas damit gelöst wären. Die Interdependenz von regionaler und nationaler sowie europäischer Politik ist heute zwingend und erlaubt weder regionale noch nationale Alleingänge im Euro-Raum. 

GRUNDPROBLEM:

Die tiefgreifende europäische Krise geht einher mit bisher nie gekannter hoher Arbeitslosigkeit, besonders von Jugendlichen. Die demokratische Legitimität der EU und ihrer Institutionen sowie das europäische Projekt allgemein stehen auf dem Spiel. Dadurch wird die Handlungsfähigkeit Europas im globalen Kontext gegenüber den USA und neuen regionalen Blöcken entscheidend geschwächt und nachhaltige Lebensperspektiven zukünftiger europäischer Generationen infrage gestellt

Lokale und regionale Entwicklungsprojekte  in den europäischen Staaten müssen sich in Zukunft daran messen lassen, inwieweit sie zur Lösung dieses Grundproblems beitragen. Das vorgeschlagene europäische Pilot-Projekt (ESFA) verfolgt das

OBER-ZIEL/VISION:

Im Verbund von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Gebietskörperschaften modellhaft einen praktischen Beitrag zur Überwindung der EU-Krise leisten und gleichzeitig friedensstiftend wirken.

Sollte sich das in Phasen, bis zur endgültigen Reife, zu entwickelnde Projekt als erfolgreich erweisen, könnte es zur Einführung in allen EU-Mitgliedsländern  und ihren Regionen empfohlen werden, um die demokratische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Regionen der EU und die EU insgesamt zu stärken.

Des Weiteren könnte dieses Modell-Projekt auch für die Außenpolitik Europas wegweisend insoweit werden, dass der methodische Ansatz der „ESFA“ ebenfalls im Rahmen der EU-Entwicklungszusammenarbeit mit Staaten der Sahelzone und Schwarzafrikas allgemein angewandt wird, um durch Stärkung des Human-, Sozial- und natürlichen Kapitals die  Nationenbildung dieser Staaten zu fördern, die aufgrund ihrer Kolonialgeschichte als Vielvölkerstaaten die Unabhängigkeit erreichten. So könnte die schwarzafrikanische Jugend auf eine würdige Lebensperspektive in ihren jeweiligen Staaten hoffen. Das wiederum würde einen zu erwartenden zukünftigen massenhaften Exodus von Armen nach Europa abbremsen und die durch übermäßige Immigration hervorgerufenen sozialen Konflikte innerhalb Europas vermeiden helfen.            

PRIMÄRE ZIELE:

(i) Gemeinschaftliche Förderung von Ausbildung und Beschäftigung, besonders von Jugendlichen und Geringqualifizierten, aus EU-Staaten;

(ii) Förderung Europäischer Identitäts-Stiftung;

(iii) Förderung von Solidar-Wirtschaft (Genossenschaften, Kooperativen und selbstständige Kleinbetriebe) und Sicherung von Fachkräften für ansässige Wirtschaftszweige

(iv) Förderung von nachhaltiger Regionalentwicklung.

DURCHFÜHRUNG:

(1) Qualifikation zu Fachkräften von bis zu 1.000 Jugendlichen, Geringqualifizierten (zwischen 16 und 25 Jahren), anteilig aus allen EU-Mitgliedsländern, in einem vier Jahre dauernden Ausbildungszyklus.

(2) Einrichtung von etwa fünf Ausbildungsgängen, entsprechend der natürlichen Ressourcen der Region und der bereits ansässigen Wirtschaftszweige, in eigenen Werkstätten, Schulungseinrichtungen und Internatsunterbringung. Dabei wird die Kooperation mit lokalen Unternehmen angestrebt.

(3) Organisation eines vierjährigen Ausbildungszyklus wie folgt: (a) 6 Monate Sprachkurs in Deutsch und Englisch (In beiden Sprachen wird unterrichtet. In anderen EU-Staaten wäre jeweils die offizielle Landessprache sowie Englisch obligatorisch); (b) Drei Jahre Ausbildung in ausgewählten Berufsgängen mit von IHK zertifizierten Abschlüssen; (c) 6 Monate individuell oder gruppenweise Ausarbeitung, unter Anleitung, eines Betriebsgründungs-Vorschlages. Dieser muss vorgeschriebenen Standards zur Kreditbeantragung entsprechen.

(4) Träger: Eingetragener Verein (e.V.) bzw. Genossenschaft oder auch Stiftung, bestehend aus Angehörigen und Organisationen der lokalen Zivilgesellschaft;

(5) Beratender Beirat: Bestehend aus lokalen Vertretern von IHK und Privatem Sektor, Gebietskörperschaften, Arbeitsämtern, Kirchen, weiteren Bildungseinrichtungen der Region.

(6) Management: Festangestelltes Direktorium, bestehend aus qualifizierten Fachkräften;

(7) Personal: Lehrkräfte/Meister, Sozialarbeiter und weiteres Personal zur Unterhaltung der ESFA

(8) Finanzierung: (a) Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Gemeinden sowie EU) für Infrastruktur, Finanzierung von Lehrkräften und Studienstipendien für angehende Fachkräfte/Lehrlinge und laufende Kosten; (b) IHK und Privater Sektor für Einrichtung von Werkstätten; (c) Europäischer Sozialfonds, Bundesministerium für Wirtschaft, BM für Arbeit und Soziales, KfW: Bereitstellung eines speziellen Kreditfonds für Betriebsgründungen der ausgebildeten Fachkräfte im Rahmen der Förderung von Solidar-Wirtschaft und Mikro-Betrieben; (d) Eigenbeitrag des Trägers und Beiträge der Kirchen und weiterer NROs; (f) Eigenbeitrag des Projektes durch Erlös der in den Werkstätten produzierten Güter und Dienstleistungen auf lokalen Märkten.

1.         Einführung

Die Verschärfung der strukturellen ökonomischen Ungleichgewichte innerhalb der EU haben insbesondere seit Beginn der Griechenlandkrise im Frühjahr 2010 die Arbeitslosigkeit und ganz besonders die Jugendarbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern auf nie dagewesene Höhen getrieben. In Griechenland und Spanien übersteigt die Jugendarbeitslosigkeit 50%, in Italien und Portugal liegt der Prozentsatz nahe bei 40% (siehe Eurostat). Aber auch in anderen europäischen Staaten geht das Gespenst einer „Verlorenen Generation“ um. Ausnahmen sind vor allem Deutschland und Österreich, wo aufgrund des demographischen Wandels bereits heute ein Fachkräftemangel akut ist, der sich in den kommenden Jahren verstärkt auf die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auswirken wird, was wiederum eine mangelnde Finanzierung der gesetzlich garantierten Sozialleistungen zufolge haben könnte.

Die EU schlägt seit Jahren einen europäischen Wachstumspakt und Initiativen für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vor. Praktisch ist bis in die Gegenwart nichts von den Plänen der EU und ihrer Mitgliedsländer umgesetzt worden. Das liegt auch ganz besonders an den fehlenden finanziellen Mitteln, die wegen der europäischen Sparpolitik den EU-Haushalt sowie die Haushalte der Mitgliedsländern stark begrenzen. Aus der EU-Krise resultiert eine stetig anwachsende Europa-Müdigkeit der Zivilgesellschaften und eine zunehmende Skepsis gegenüber dem europäischen Projekt überhaupt.

Die offizielle europäische Politik setzt immer noch zu stark auf die „Selbstheilungskräfte“ des Marktes und bindet die Zivilgesellschaften in ungenügender Weise in potenzielle Lösungen von Arbeitsmarktproblemen ein. Alle europäischen Verfassungen erkennen das universale Recht auf Arbeit und auf würdige soziale wie wirtschaftliche Lebensbedingungen für die Bürger an, jedoch werden diese Rechte von den Regierungen nur unzulänglich eingelöst.

Der hier vorgelegte Lösungsansatz für eine menschenwürdige Zukunft der nachkommenden Generationen gründet sich auf folgenden

PRINZIPIEN:

1. Verwirklichung des universalen Menschenrechtes auf Arbeit (Leitsatz: „Menschenwürdige Arbeit für Alle“),  

2. Aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft bei der Lösung der europäischen Krise in multikulturellem Kontext (Leitsatz: „Identitäts-Stiftung des Europäischen Bürgers“) , 

3. Mobilisierung der Solidar-Wirtschaft da, wo die „Selbstheilungskräfte“ des Marktes versagen (Leitsatz: „Oberstes Ziel der Wirtschaft ist die öffentliche Wohlfahrt“) und

4. Förderung nachhaltiger Regionalentwicklung und die Vernetzung der Regionen untereinander (Leitsatz: „Europa der nachhaltig entwickelten Regionen“).    

Nachsatz:

 

Das Projektdokument soll ein Ergebnis der Diskussion zwischen Vertretern der Zivilgesellschaft der Region Weserbergland bzw. der Teilregion Deister-Süntel-Tal, der entsprechenden Gebietskörperschaften, der Wirtschaft, den Kirchen und der Wissenschaft sein.    

 

Anlage 2

 

Modellprojekt zur Integration junger Flüchtlinge:

Interkulturelles Ausbildungszentrum im Deister-Süntel-Tal

(Konzept – Stand 20. 6. 2016)

 

A. Begründung

1. Seit 2015 haben mehr als eine Million Menschen Zuflucht vor äußerster Not und Krieg in Deutschland gesucht. Die deutsche Gesellschaft hat sich im Geiste der universalen Menschenrechte verpflichtet, den Zugewanderten eine vorläufige, und wenn von diesen gewünscht, eine endgültige Heimat zu bieten. Um ein harmonisches interkulturelles Miteinander von Migranten und Einheimischen herzustellen und möglichen sozialen Verwerfungen vorzubeugen, werden Migranten die gleichen Rechte auf Ausbildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zuteil, die auch deutschen Bürgern zustehen. Unumgänglich ist, die zugewanderten Menschen nicht nur als zukünftige Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu sehen, sondern sie selbstverständlich als Mitbürger und ihr Miteinander mit Deutschen als wertvolle kulturelle Bereicherung zu begreifen. Ein hoher Prozentsatz der Zugewanderten sind junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, ein Alter, in dem sich gemeinhin deutsche Jugendliche auf ein zukünftiges Berufsleben vorbereiten, was überwiegend entweder über eine duale Lehrlingsausbildung oder ein akademisches Studium geschieht. Die besondere Aufmerksamkeit der Förderung dieser Altersgruppe ist wesentlich mitentscheidend, ob in Deutschland Integration als gelungenes interkulturelles Miteinander gelingt oder nicht. Soll xenophobem Verhalten von Teilen der deutschen Gesellschaft einerseits und das Entstehen von Ressentiments gegenüber Deutschen auf Seiten der Migranten, gespeist aus dem Gefühl von Diskriminierung, fehlendem Willkommen und ständiger Angst vor Abschiebung, vorgebeugt werden, müssen wegweisende Integrationsprojekte gerade für diese Altersgruppe entwickelt werden. Die Herausbildung eines weltoffenen, interkulturellen und den universalen Menschenrechten verpflichtenden Bürgertums ist entscheidend für politische, soziale, ökonomische und kulturelle Stärke Deutschlands und Europas. Das hier vorgestellte Projekt bezieht sich auf die große Gruppe der jungen Zugewanderten, die keine genügenden Voraussetzungen für eine akademische Ausbildung mitbringen und die möglichst vollständig in den Genuss einer dualen Lehrlingsausbildung kommen sollen.

2. Im Folgenden werden einige Grundsätze für ein erfolgreiches Integrationsprojekt von jungen Zugewanderten im Kontext einer dualen Berufsausbildung vorgestellt:

(i) Grundsätzlich sollte die Ausbildung von Beginn an zusammen mit jungen Deutschen geschehen, die sich ebenfalls in Ausbildung befinden. So wird von Beginn an ein weltoffenes Miteinander und interkultureller Austausch das gegenseitige Verstehen und Toleranz sowie Respekt gegenüber dem „Anderen“ eingeübt.

(ii) Das Projekt generiert zahlreiche anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle Arbeitsplätze für deutsche Arbeitnehmer, seien es Lehrer, Meister, Sozialarbeiter, Psychologen und auch Arbeitsmöglichkeiten für Angehörige des Niedriglohnsektors wie Langzeitarbeitslose, HartzIVler und Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen. Auf diese Weise wird die Akzeptanz gegenüber dem Projekt gestärkt und der Auffassung entgegengetreten, für Migranten gäbe es eine Vorzugsbehandlung.  

(iii) Die Berufsausbildung soll mit einem berufsvorbereitenden Jahr beginnen, in dem vor allem die notwendigen deutschen Sprachkenntnisse erworben werden und in dem in überbetrieblichen Werkstätten kombiniert mit Praktika in lokalen Betrieben die Bereitschaft und Eignung für einen zukünftigen Lehrlingsausbildungszweig festgestellt wird.

(iv) Das Modell-Projekt ist außerhalb vom Ballungsgebiet Hannover im Deister-Süntel-Tal angesiedelt und ist geeignet, im hauptsächlich ländlich geprägten Raum eine neue Attraktivität und Zukunftsperspektive für junge Migranten und Einheimische herzustellen, die der weiteren sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ausblutung der traditionell diversifizierten Region vorbeugen und die Nutzung lokaler Ressourcen in nachhaltiger und arbeitsteiliger Weise anstreben. Das könnte ganz besonders im landwirtschaftlichen, handwerklichen, pflegerischen und touristischen Bereich geschehen. Die negative demographische Entwicklung im Projektgebiet ist u. a. der Tendenz zu Massenproduktion im globalen Kontext, der zunehmenden Hinwendung zu subventionierten Monokulturen im landwirtschaftlichen Bereich und der Konzentration von Ausbildungs- und Gesundheitsinfrastrukturen in Ballungsgebieten geschuldet. Die voraussehbare Digitalisierung der Ökonomie wird die negative demographische Entwicklung im Projektgebiet verschärfen und eine Region von überwiegend Pendlern und älteren Menschen schaffen. Das ist nicht nur schädlich aus Sicht der Region sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, da wertvolle lokale Ressourcen nicht länger für das Wohlergehen der Gesellschaft genutzt werden. Eine überregionale, überbetriebliche und an lokalen Ressourcen und Traditionen anknüpfende duale Ausbildungsstätte im Projektgebiet wird dem gewünschten Entwicklungsziel Rechnung tragen, dass zukünftig für einen großen Teil der jungen eingewanderten und einheimischen Menschen durch den Erhalt von zahlreichen Arbeitsplätzen und damit verbundenem Steueraufkommen lebenswerte Heimat geschaffen sowie erhalten wird.

(v) Die gemeinsame Unterbringung von jungen Zugewanderten und jungen Deutschen, letztere vor allem aus sozial benachteiligten Lebensbezügen, ist in überschaubaren Internats-Einheiten von jeweils 20 bis 30 Jugendlichen, verbunden mit sozialpädagogischer Begleitung, vorgesehen. Ein fester, geregelter Tagesablauf wird das parallel stattfindende tägliche Erlernen der deutschen Sprache für die Flüchtlinge erleichtern sowie die Bildungsdefizite der deutschen Auszubildenden ausgleichen. In der zweiten Tageshälfte  werden überbetriebliche Werkstätten auf einem „Campus“ die Erprobung von potenziellen Fähigkeiten während der berufsvorbereitenden Phase und auch während der dualen Ausbildung zusammen mit Praktika in lokalen Betrieben die gleichzeitige berufliche Ausbildung von jungen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft ermöglichen.       

3. Das Deister-Sünteltal mit der Stadt Bad Münder am Deister als Zentrum mit insgesamt etwa 18.000 Einwohnern hat in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifende strukturelle Veränderungen erfahren, die sich in ähnlicher Weise ebenfalls in anderen Einflussgebieten von Ballungszentren und im ländlichen Raum vollzogen haben. Die ursprüngliche wirtschaftliche Basis der Region war auf Nutzung heimischer Ressourcen ausgerichtet wie Holz, Glas, Landwirtschaft, Kurbetrieb sowie Gesundheitswesen mit entsprechenden Krankenhäusern und  Rehabilitations-Einrichtungen. Im neuen Jahrtausend brach die heimische Wertschöpfung zunehmend ein und zählt gegenwärtig nur noch wenige Betriebe mit nennenswerter Beschäftigung. Die überwiegende Zahl der Bevölkerung im aktiven Alter findet als Pendler Beschäftigung in Hannover und in geringerem Masse in Hameln, der Kreisstadt des Kreises Hameln-Pyrmont. Die ehemals florierende Holzindustrie ist dramatisch geschrumpft. Die Glashütte beschäftigt nur noch etwas mehr als 160 Angestellte und Arbeiter. Die Landwirtschaft hat hauptsächlich auf subventionierte Monokulturen umgestellt. Der Kurbetrieb, basierend auf jahrhundertealter Nutzung wertvoller Heilquellen, wird immer mehr eingeschränkt. Die Krankenhaus- und  Altenpflege sowie Rehabilitation, einstmals ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region, laufen Gefahr, weiter an Bedeutung zu verlieren. So ist insgesamt auch das Angebot an touristischen Dienstleistungen in dem reizvollen Naherholungsgebiet von Hannover drastisch zurückgegangen, was sich u.a. am Rückgang der Bettenkapazität widerspiegelt. Der jüngste Zukunftsatlas von Prognos gibt für den Landkreis Hameln-Pyrmont zwar einen über dem Bundesdurchschnitt liegenden Beschäftigungs-Index an, jedoch andererseits einen weit unterdurchschnittlichen Demographie-Index. Die relativ hohe Beschäftigung erklärt sich aus der hohen Pendlerquote ins Ballungszentrum Hannover, wo ein ausreichendes Arbeitsangebot vorhanden ist. Dagegen ist der Einwohnerschwund auf den Fortzug von jungen Menschen in attraktivere Regionen zurückzuführen und bestätigt, was  anschaulich auf Straßen und Plätzen zu beobachten ist: Der Landkreis und vor allem auch die Stadt Bad Münder weisen eine stetig zurückgehende Zahl von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im aktiven Alter auf, während der Prozentsatz von alten Menschen in gleichem Masse zunimmt. Die aktuelle Situation der Zuwanderung von Millionen in Deutschland Zuflucht suchender Menschen bietet die Chance für das Deister-Sünteltal und auch für andere wirtschaftsschwache und benachteiligte Regionen, Lebens- und Arbeitsqualität für die Zukunft zu sichern und landesweit für strukturelle Ausgewogenheit zu sorgen. Im Deister-Sünteltal gibt es derzeit 350 zugereiste Flüchtlinge, von denen potentiell etwa 100 eine berufliche Ausbildung beginnen könnten. Darüber hinaus sollte eine große Zahl von jungen Flüchtlingen aus dem übrigen Landkreis Hameln-Pyrmont und aus anderen Regionen zusammen mit deutschen Jugendlichen ein berufsvorbereitendes Jahr und anschließend zwei bis drei Jahre eine duale Berufsausbildung in spezifischen Ausbildungsgängen absolvieren.  

B. Ziel des Integrationsprojektes

Gemeinsame berufliche Ausbildung für junge Flüchtlinge und junge Deutsche aus sozial benachteiligten Lebensbezügen im Alter von 16 bis 25 Jahren in an heimischen Ressourcen orientierten Berufszweigen.

Die Ausbildung ist im Rahmen eines berufsvorbereitenden Jahres und einer anschließenden zwei bis dreijährigen dualen Berufsausbildung vorgesehen.

Geplant ist: Die jungen Menschen, die in überschaubaren Internaten mit sozialpädagogischer Begleitung untergebracht werden sollen, erhalten eine staatlich anerkannte Berufsausbildung in überbetrieblichen Werkstätten bei gleichzeitigem Angebot von Praktika in örtlichen Betrieben. Eine derartige Ausbildung im interkulturellen Zusammenhang strebt nicht nur die berufliche Ausbildung von zukünftigen Arbeitskräften an sondern parallel eine ganzheitliche humanistische Ausbildung mit dem Ziel, mündige und weltoffene Bürger zu bekommen, die aktiv an der Fortentwicklung eines demokratischen und friedlichen Gemeinwesens mitwirken. Die an der Nutzung heimischer Ressourcen orientierte Ausbildung wird darüber hinaus zur nachhaltigen Stärkung des Deister-Süntel-Tals beitragen und auf diese Weise einen attraktiven Wohnstandort für kommende Generationen sicherstellen. Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn sich nach der Berufsausbildung ein Teil der Ausgebildeten dazu entscheidet, im Deister-Süntel-Tal eigene handwerkliche, landwirtschaftliche, pflegerische oder Betriebe im Tourismussektor zu gründen.  

C. Aktuelle Lebensumstände der Flüchtlinge im Deister-Süntel-Tal

Die neu zugezogenen 350 Flüchtlinge im Deister-Süntel-Tal sind überwiegend  „Asylsuchende mit Bleibeperspektive“ und „Geduldete“ (Amtsdeutsch). Sie sind ausnahmslos in Privatwohnungen untergebracht, die ehemals der Unterbringung abgewanderter Einwohner dienten bzw. einst an jetzt ausbleibende Kurgäste vermietet wurden. Trotz dieser recht komfortablen und teuren dezentralen Unterkunft leben die Flüchtlinge isoliert inmitten der einheimischen Bevölkerung. Wegen entsetzlicher Schicksalsschläge leiden viele Flüchtlinge unter schweren Traumata oder Depressionen und versuchen, die Verbindung zu den Daheimgebliebenen über Telefon oder Internet aufrechtzuerhalten. Sozialpädagogische oder psychologische Unterstützung erfahren sie nicht. Die Kontakte zu den Vermietern gehen kaum über flüchtige Begrüßungen hinaus. Integrationslotsen helfen bei Behördengängen aus. Wöchentliche Begegnungsstätten sind die gut funktionierende „Tafel“, der „Umsonstladen“ und das „Internationale Café“. Doch auch hier ist die Begegnung mit Einheimischen eine oberflächliche trotz des damit verbundenen Engagements vieler ehrenamtlicher Helfer. Die Stadt Bad Münder hat lediglich zwei neue Sozialarbeiterstellen für die Betreuung der Flüchtlinge geschaffen. Der regelmäßige Deutschunterricht, an dem nur ein Teil der Flüchtlinge tatsächlich teilnimmt, findet hauptsächlich in der 16 km entfernten Kreisstadt Hameln statt. Es ist abzusehen, dass Integration auf diese Weise sehr zäh, langwierig oder gar nicht geschehen wird, insbesondere was das Erlernen der deutschen Sprache als Voraussetzung für erfolgreiche Ausbildung, Arbeitsaufnahme und gesellschaftlicher Teilhabe sowie der für harmonisches Miteinander notwendige interkulturelle Austausch mit deutschen Mitbürgern anbetrifft.      

D. Planung der Durchführung des Integrationsprojektes

1. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Durchführung dieses Integrationsprojektes ist der politische Wille aller am Projekt beteiligten Institutionen und Organisationen. Das sind in erster Linie die politisch Verantwortlichen von Bad Münder sowie die örtlichen  zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Verantwortlichen des Landkreises Hameln-Pyrmont, die Bundesanstalt für Arbeit und das Jobcenter in Hameln, die zuständigen Wirtschaftsverbände und Handwerkskammern, die potenziellen Bildungsträger, die übergeordneten Gebietskörperschaften und möglichen Finanzierungsgeber. Zu Letzteren zählt vor allem der Europäische Sozialfonds (ESF).

2. Ausarbeitung einer detaillierten Durchführbarkeitsstudie im Herbst 2016, die den Finanzierungsgebern spätestens im November vorgelegt werden sollte, um zu Beginn 2017 mit dem Projekt beginnen zu können. Dazu werden drei Fachkräfte / Consultants für zwei Monate benötigt. Geschätzte Kosten der Studie: 20.000 Euro, evtl. über ESF zu finanzieren.

Die Durchführbarkeitsstudie identifiziert:

3. Bildungsträger: Hier kommen in erster Linie Institutionen der beiden großen christlichen Kirchen (evtl. auch der Gewerkschaften) in Betracht, die bereits anerkannte Partner der Bundesanstalt für Arbeit und den Jobcentern sind. Die Handwerkskammer sowie Landwirtschaftskammer sind darüber hinaus mögliche Kooperationspartner.  

4. Ausbildungsgänge: Der örtlichen organisierten Zivilgesellschaft im Verein mit den lokalen Gebietskörperschaften obliegt die Auswahl der Ausbildungsgänge. Diese sollten sich an den traditionell ausgeübten Wirtschaftszweigen orientieren, die die heimischen Ressourcen nutzten: Holz, Glas, Land- und Forstwirtschaft, Heilquellen, Krankenpflege und Touristik. Zusätzlich ist zu prüfen, ob eine Ausbildung im ökologischen Hausbau mit Inneneinrichtung sowie alternativen Energien möglich ist.

5. Ausbildungs-Infrastrukturen: Entsprechend der ausgewählten Ausbildungsgänge werden die bereits vorhandenen und ggf. neu zu schaffenden Ausbildungs-Infrastrukturen identifiziert.        

6. Auszubildende: Die Zahl der auszubildenden jungen Flüchtlinge und Deutschen in der ersten Projektphase richtet sich nach den bereits vorhandenen bzw. kostengünstig und rasch neu zu schaffenden Infrastrukturen. Es sollte angestrebt werden, innerhalb der nächsten Dekade bis zu 1000 Ausbildungsplätze anzubieten.

7. Lehr- und Betreuungspersonal: Das Projekt generiert zahlreiche neue Arbeitsstellen im Deister-Sünteltal: Fachpersonal wie Lehrer, Meister, Sozialpädagogen, Psychologen sowie Verwaltungspersonal und begleitende Dienste wie Sicherheitspersonal, Hausmeister u. ä. Diese neuen Stellen sollten möglichst mit bisher arbeitslosen Menschen und Arbeitskräften aus dem Niedriglohnsektor besetzt werden.

8. Budgetaufstellung für die erste Projektphase (insgesamt 4 Jahre): Diese umfasst ein berufsvorbereitendes Jahr und zwei bis drei Jahre duale Lehrlingsausbildung. Bei erfolgreichem Start dieser Phase kann daran gedacht werden, bereits nach dem ersten berufsvorbereitenden Jahr einen zweiten Ausbildungszyklus mit neuen jungen Migranten und Deutschen zu beginnen.  

Konsensbildung über das Modellprojekt und seine Durchführbarkeit  

9. Öffentliche Diskussion und Konsensbildung über das Modellprojekt und seine Durchführbarkeit: Nach Erstellung und Veröffentlichung der Studie ist eine breite Diskussion in Organisationen der Zivilgesellschaft des Deister-Süntel-Tals sowie in lokalen politischen Gremien unumgänglich, um Konsens über und Identifikation mit dem Projekt herzustellen. Erst danach sollte das Projekt vom ausgewählten Projektträger den übergeordneten Gebietskörperschaften, der Bundesagentur für Arbeit, den Wirtschaftsverbänden (IHK) und den Finanzierungsgebern vorgestellt werden.

Stärkung der Akzeptanz des Modellprojektes durch die Zivilgesellschaft

10. Zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Akzeptanz des Modellprojekts: Die folgenden zwei Maßnahmen dienen dazu, die Akzeptanz des Modellprojektes in der örtlichen Zivilgesellschaft zu verstärken: (i) Die Gründung eines „Interkulturellen Vereins“, in dem zugewanderte und einheimische Bürger zusammen die Art und Weise ihres Miteinander diskutieren und einen kulturellen Austausch pflegen. (ii) Organisierung von Patenschaften deutscher Familien mit ausländischen, um interkulturelles Miteinander, nicht diskriminierende demokratische Mitbürgerschaft sowie Weltoffenheit praktisch zu gestalten.    

Abschlussbemerkung:

 

Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das vorgestellte Modellprojekt dazu beiträgt, harmonisches interkulturelles Miteinander zum Vorteil der Integration von Flüchtlingen und auch zum Vorteil einer weltoffenen Kultur und wirtschaftlichen Entwicklung des Deister-Süntel-Tals zu verwirklichen. In einem gesellschaftlichen Klima von täglich sich verstärkenden xenophoben Tendenzen, Ausgrenzung ausländischer Mitbürger und Auseinanderdriften von Arm und Reich ist die Realisierung von Modellprojekten der vorgestellten Art geignet, um diesen negativen gesellschaftlichen Tendenzen entgegenzuwirken

Kommentare

So ein Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört =D Made my day!

Liebe Carmen, 

ich haette gern etwas ueber eine Begruendung des Schwachsinns gewusst. Kannst Du das naeher erlaeutern, oder willst Du nur schnell mal so einen abfaelligen Begriff loswerden. Eine vernuenftige Auseinandersetzung sollte jedenfalls anders aussehen. 

LG, Hermann